Normandie 2010 | Tag 5

Tag 5 | Weiterreise zum Omaha Beach

Der Wetterwechsel stand tatsächlich an. Das Erwachen fand bei schönstem Sommerwetter statt. Die Wolken waren wie vom Erdboden verschluckt. Ein perfekter Tag also, um die Weiterreise unter die Räder zu nehmen. An diesem Tag hatten wir uns vorgenommen, in den Bereich zu fahren, in welchem der zweite Weltkrieg getobt hatte. Es werden nachdenkliche Tag werden, sobald wir im Bereich der verschiedenen Landungsstrände der Alliierten Truppen ankommen. So wurden wir dann auch schon auf dem Weg nach Colleville von verschiedenen Mahnmälern und Museen darauf hingewiesen, dass wir uns bereits in dieser geschichtsträchtigen Region befinden. Bald sind wir an einem uns sympathischen Camping-Platz angekommen, nachdem wir den letzten wieder verlassen hatten, als wir das Preisschild gesehen hatten. Für einmal buchten wir die Übernachtung direkt für zwei Tage, da es hier wohl genug zu sehen gibt. Der Camping-Platz warb mit eigenem Strand, dass dorthin ein Fussmarsch von 10min (sehr knapp geschätzt) nötig wäre, wurde uns erst nach errichten der Gebühr mitgeteilt. Dennoch bezogen wir also erstmal unseren Platz und machten uns auf die Reise zum Strand. Die Zeitrechnung in Frankreich scheint etwas eigen zu sein, angekommen sind wir nämlich erst nach etwa 20 Minuten. Die Tatsache, dass meine Strandschuhe zu Beginn des Abstieges den Geist, bzw. die Riemen aufgegeben hatten, änderte nicht viel an der aufgewendeten Zeit, sehr wohl aber an der Laune meiner Füsse. Kaum waren wir aber da, hatten wir uns mit keinem Wort mehr beklagt. Vor unseren Füssen lag ein riesiger Sandstrand, das weite Meer und das alles bei sommerlichem wolkenlosen Sonnenschein. So was müsste ein Publikumsmagnet sein, aber weit gefehlt, wir waren weit und breit die Einzigen, die sich hier unten befanden. Uns sollte es recht sein und wir haben erstmal dieses herrliche Szenario direkt am Omaha Beach auf uns wirken lassen. Es lässt sich immer etwas schwieriger geniessen, wenn man weiss und vor allem bedenkt, dass vor nicht allzu vielen Jahren hier ein tobender Krieg wütete. Dennoch versuchten wir, die Ruhe und die Einsamkeit wirken zu lassen, bevor wir uns gestärkt etwas später wieder an den Aufstieg zum Camping-Platz machten. Inzwischen war es Nachmittag geworden, der Tag war aber noch zu jung, um ihn einfach so ausklingen zu lassen. Nach etwas Recherche in unseren zahlreichen Museen- und Memorial-Flyern stellten wir fest, dass sich der amerikanische Kriegsfriedhof in unmittelbarer Nähe befindet. Das Navigationsgerät teilte uns mit, dass es sich um exakt 1,6km handelte. Also packten wir die Fahrräder vom Wohnmobil und machten uns auf den Weg. Kaum einem sind Bilder von diesem Friedhof unbekannt, jeder weiss ungefähr, was einen an diesem Ort erwartet. Selber mal da zu sein beeindruckt dennoch stark. Kreuz an Kreuz steht im grünen, hochgepflegten Rasen. Kein Grashalm ist länger als der andere – man sieht sofort, dass in die Pflege dieses Ortes viel Zeit und Aufwand gesteckt wird. Und es lohnt sich. Selbstverständlich habe ich versucht, die Stimmung mit meiner Kamera einzufangen, ein schwieriges Unterfangen, dennoch wurden einige sehenswerte Resultate erreicht. Während unseres Aufenthaltes lauschten wir hin und wieder einigen Guides, die ihr Wissen mit Besuchern teilten und erfuhren so spannende Einzelheiten zu diesem Friedhof. So ist es beispielsweise ein Brauch, dass Kriegsveteranen, die Kreuze von gefallenen Kollegen oder Familienangehörige das betreffende Kreuz mit nassem Sand vom Strand einreiben, wodurch die eingravierten Namen und Daten besser sichtbar werden und sich besser fotografieren lassen. Das nasse Sand trocknet an der französischen Sonne in kurzer Zeit und fällt in den Rasen, wonach das Kreuz wieder sauber und strahlend weiss wird. Ein einziges Kreuz haben wir dann auch entdeckt, in wessen Gravur nasser Sand erkennbar war. Davor ein grosszügiges Blumen-Bouquet und eine amerikanische Flagge. Nach unserem stündlichen Besuch erklang ein Horn und die US-Flagge des Friedhofs wurde gesenkt was wir als Aufforderung verstanden hatten, langsam zu gehen. Schliesslich wurde die Gedenkstätte in einer halben Stunde geschlossen.

Der Rest des Tages spielte sich im gemütlich eingerichteten Camping-Platz ab, und in der Küche unseres mobilen Zuhause wurden Spaghetti Bolognaise zum Abendessen zubereitet. Und wie immer stand nach dem Abendessen der Abwasch auf dem Programm. Normalerweise eine begrenzt spektakuläre Tätigkeit, die Alarmanlage unseres Campers änderte das aber schlagartig. Kaum weggelaufen und den Verriegelungsknopf gedrückt quittierte das Fahrzeug die Schliessung der Zentralverriegelung mit einem Piep-Ton. Fünf Schritte später klang das Ganze ein bisschen anders. Die laute Sirene war ganz bestimmt über den ganzen Camping-Platz zu hören, die Leute drehten ihre Köpfe und wir wären am liebsten im Erdboden versunken. Gemäss Betriebshandbuch sollte die Alarmanlage nach 24 Sekunden ausschalten, gottseidank hatte sie das dann auch getan. Also nochmals ein Versuch. Das ganze Geschirr wieder auf den Armen und erneut ertönte wieder diese ziemlich auffällige Sirenenton. Die Entriegelung der Fahrzeugschlösser half nicht, das öffnen der Türen ebenso wenig und sogar die Zündstellung des Zündschlüssels änderte nichts an der musikalischen Camping-Platz-Unterhaltung. Nach weiteren 24 Sekunden (aber gefühlten 7 Minuten) schaltete sich die Alarmanlage erneut aus und die Schliessung des Wohnmobils musste für den Abwasch von heute ohne Alarmanlage reichen. Die Ursache des Alarms können wir höchstens erahnen. Wir einigten uns darauf, dass die herausgelassene Store das Fahrzeug in einen Winkel neigte, der ausreichte, um den Neigungssensor der Alarmanlage anzusprechen – ob wir damit richtig liegen, werden wir wohl nie erfahren. Also doch noch etwas Action, das war\’s dann aber auch erstmal für diesen Tag. Sollte das mit dem Wetter hingegen so weiter gehen, können wir durchaus zufrieden sein. Und so kam sie dann, die erste Nacht auf dem Camping-Platz am Omaha Beach..

Normandie 2010 | Traumstrand Omaha Beach Normandie 2010 | Amerikanischer Gedenkfriedhof
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