Datenrettung auf semiprofessionelle Art
Wie im Artikel Totalausfall gibts auch beim Mac zu lesen ist, verabschiedete sich vor einiger Zeit eine Festplatte aus meinem Raid0-Verbund. Nach diversen Abklärungen und intensiver Auseinandersetzung dreier professioneller Datenretter hatte ich mich für jenen aus dem mittleren Preissegment entschieden. Die Analyse sollte im Business-Service (verarbeitung innerhalb 2-3 Tage inkl. Samstag) CHF 500.00 kosten, die Rettung an sich danach zwischen CHF 1500.00 und CHF 3000.00 und noch ein bis zwei Tage dauern. Das klang für mich ordentlich und schon war ich telefonisch mit der Datenretter Schweiz GmbH verbunden. Mir wurde erklärt, dass ich vorab ein Formular ausfüllen müsste, mir dieses aber jeden Moment zugesandt würde, damit ich das schonmal vorbereiten und mich danach gleich auf den Weg nach Uster machen könnte. Als dann anderhalb Stunden ohne die versprochene E-Mail verging, wurde mir klar, dass ich mich langsam aber sicher trotzdem auf den Weg machen muss, denn sonst schaff ich\’s nicht mehr vor 12:00 Uhr Mittags dahin. Wie es der Zufall so wollte; Stau. Mein Sport-Kombi tat dennoch seine Dienste und schaffte es auf die Minute genau, um 12:00 Uhr nach Uster. Parkplatz, Treppenhaus, Eingangstür. Phuu, es war noch offen. Als erstes habe ich mich mal entschuldigt, dass ich so kurzfristig vor der Mittagspause ankomme. Da wurde ich schonmal seltsam von der Seite angefahren: “Eigentlich hämmer scho lang Mittag!”. Und die diesem Zeitpunkt wusste der Herr bereits, dass ich vermutlich viel Geld für eine Datenrettung ausgeben werde. Nach etwas kompliziertem hin und her und als alle meine Dokumente in den Systemen der Datenrettungs-Unternehmung gefunden wurde, wurden meine vier Festplatten dennoch angenommen – gegen Bezahlung von CHF 500.00 versteht sich. Im Gespräch wurden mir dann noch einige Dinge versprochen, die alle nicht hätten eingehalten werden sollen. Auf meine Frage, wie ich denn nach der Analyse erkennen würde, welche Daten gerettet werden können und welche nicht, wurde mir beispielsweise eine digitale “Liste” versprochen, die mich im Filesystem navigieren liesse und ich somit alles relativ gut erkennen könne. “Klint gut”, dachte ich, genauso wie bei einigen anderen Kleinigkeiten…
Volle fünf Tage später habe ich mich dann mal dazu bewogen, doch mal anzurufen und nachzufragen, was aus meiner Analyse geworden ist, denn gehört hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt genau nichts! Ah ja, man hätte versucht, mir eine E-Mail zu senden, das ging aber anscheinend nicht. Und ja, die Analyse würde noch etwas Zeit in Anspruch nehmen weil es sich um ein Mac-System handle. Ooookay, das hatte ich doch aber bereits erwähnt, als ich die Festplatten vorbei gebracht hatte..!? Naja, okay.. Abwarten..
Weitere drei Tage später blinkte mein Anrufbeantworter. Darauf die Stimme des Datenretters. Ich soll doch mal zurück rufen. Leider war es schon Abend, somit niemand mehr erreichbar. Also habe ich es am nächsten Tag nochmals probiert – mit mehr Erfolg. Die nächste Info war, dass es etwas schwierig sei, das Raid-System wieder zusammenzusetzen, da es sich um ein Mac-System handelt. Aha, schon wieder der Mac schuld. Es kam zur Sprache, dass ich vielleicht meinen MacPro für die Datenrettung vorbeibringen müsste – und ehrlich, ich hätte es getan, wenn auch mit etwas ungutem Gefühl. Schlussendlich war da dann doch noch eine andere Idee und wenig später (in Tagen gemessen) erhielt ich die Offerte für die Datenrettung..
Liste mit zu rettenden Daten? Fehlanzeige! CHF 1500.00 – CHF 2000.00? Fehlanzeige! Auch nur eine helfende Information zur Rettungsqualität? Fehlanzeige! Da blieb mir wohl nichts anderes übrig, als nochmal anzurufen. Nach der Erkundigung über die Datei-Liste, wurde mir gesagt, dass das für Mac nicht möglich sei. Aha, hätte man ja auch vorher schonmal erwähnen können..!? Auf meine Nachfrage zum Preis, hiess es: “Oha, do hämmer glaub än falsche Priis verwütscht!”. Man kann es ja versuchen – andere hätten wohl einfach bezahlt. Und zur Rettungs-Qualität wurde mir gesagt, dass es sich bei den 842GB um nahezu 100% des Raid-Bestandes handeln müsste. Gutgläubig wie ich bin, vertraute ich selbstverständlich voll und ganz in diese Aussage und unterschrieb die angepasste Auftragsbestätigung. Am kommenden Tag, es war ein Samstag – und wir erinnern uns an den Business Service (inkl. Samstag), erhielt ich die Nachricht, dass die Datenrettung abgeschlossen sei und ich die Festplatte abholen könne. Ich wollte kurz sichergehen, dass eine Abholung am Samstag auch klappt, immerhin bedeutet die Reise nach Uster für mich mindestens eine Stunde Fahrzeit. Eine Antwort auf meine E-Mail erhielt ich nicht, also habe ich erstmal noch bis Montag abgewartet und habe dann die Reise angetreten. Wieder im Laden angekommen wurde mir die Festplatte überreicht, sobald ich bezahlt hatte. Die ganze Geschichte sollte mich nun total CHF 2000.00 kosten. Ich war aber ausserordentlich froh, die ganzen Daten wieder in meinen Händen zu haben und trat glücklich und um einige Franken erleichtert die Heimreise an. Selbstverständlich wollte ich mich gleich versichern, was die Rettungsqualität angeht und siehe da, ein Grossteil der Daten ist wiederhergestellt. 1:1 so, wie sie vorher auf meinem Mac lagen. “Ein Grossteil” heisst in diesem Fall, dass ALLE meine wichtigsten Daten gerettet waren, jedoch musste ich feststellen, dass der Ordner “Applications” leer war, wie ein Sieb, das mit Wasser gefüllt wurde. Rein gar nichts fand ich in diesem Ordner. Glücklicherweise kann ich auf die Programme und deren Einstellungen verzichten, oder habe irgendwo noch ältere Backups, aber mit 100% hat das bei weitem nichts zu tun. Ich würde mal behaupten, dass mein Applications-Ordner mindestens(!) 50% der Festplatten-Kapazität ausfüllt. Entweder bin ich extrem schlecht in Mathematik oder 50% ist maximal die Hälfte von 100%..!?
Damit das klar ist: Ich bin den Datenrettern unendlich dankbar für Ihre Leistungen. Ich bin sehr erleichtert, wieder im Besitz meiner verlorengeglaubten Daten zu sein und ich bin mir sicher, dass die Datenretter Schweiz sich mit Festplatten aus Windows-Systemen und deren Rettung gut auskennen. Die Abwicklung und die Kommunikation während eines Falles liess aber bei dieser Sache sehr zu wünschen übrig und hatte meiner Meinung nach nichts mit professionellem Service zu tun. Ich musste mir mehrmals schnippische Bemerkungen gefallen lassen und hatte nie das Gefühl ein ernst genommener Kunde zu sein. Würde man das erreichte Ergebnis mit einem freundlichen, zuvorkommenden Kontakt und eventuell mit optimierter Kommunikation kombinieren, wäre das der perfekte Dienstleister für jeden Fall des Datenverlustes. So war es vermutlich das erste und letzte Mal, dass ich die Dienste der Datenretter Schweiz in Anspruch genommen habe, aber vermutlich haben Leute selten mehrmals einen grossen Datenverlust und das Unternehmen setzt nicht auf Kunden die wiederkehren. Schade.






Hallo
Musste letztens auch meinen PC an einen Datenretter in Service geben, sollte ja anscheinend ein sehr hohes Kunstwerk sein. Ich habe schon viele Datenrettungssoftware gesehen, kann mir aber nicht vorstellen ob die wirklich etwas nützen. Aufjedenfall vielen Dank für den Beitrag!
LG Datensucher