Allgemeine Pechsträhne⁷

Ich habe schon viel von Pechsträhnen gehört. Das mich so eine aber tatsächlich mal heimsuchen sollte, hätte ich bis heute nicht gedacht. Jetzt bin ich aber doch etwas erstaunt darüber, was in den vergangenen Tagen so vorgefallen ist.

Angefangen hat es relativ harmlos am vorgestrigen Abend. Als ich von einem harten Bürotag zu Hause in die Garage einfuhr und mein Auto parkierte, geschah noch gar nichts. Und als ich meine Tasche auslud, diese mir kurz aus den Händen glitt und leicht auf dem Garagenboden aufschlug, dachte ich mir immer noch nichts dabei. Kommt ja schliesslich mal vor und ist bestimmt auch nichts passiert. Als ich in der Wohnung jedoch mein MacBook aufklappte, was sich bis vor kurzem in besagter Tasche befand, hörte ich ein Geräusch, welches ich beim Öffnen des MacBooks noch nie gehört hatte. Und da schoss es mir wie ein Blitz in den Kopf, die Tasche viel doch vorhin leicht. Nach genauerem Betrachten, stellte ich fest, dass das MacBook wohl genau auf die hintere linke Ecke gefallen ist, sich dadurch das Cover des Displays leicht gebogen hat und nun beim Öffnen und Schliessen immer schön am Unterteil streift. Wohlgemerkt, das MacBook ist ungefähr drei Monate alt. Okay, ich habe mich also ein paar Minuten über meine Ungeschicklichkeit geärgert, bevor ich das Problem wieder verdrängt und mich damit abgefunden hatte, dass ich mit dieser Tatsache wohl leben muss. Immerhin streift das Cover nur immer ganz leicht am Unterteil, so dass dises kaum beeinträchtigt wird.

Und dann, dann kam der nächste Tag. Die Tatsache, dass ich mein neues iPhone 4 im Auto genau so fallen lassen habe, dass es auf den Stahlhebel der Sitzverschiebe-Vorrichtung prallte und ein lautes, angsteinflössendes Geräusch von sich gab, möchte ich nicht weiter erläutern. Zu schmerzhaft war die Erfahrung. Der Moment danach jedoch, sollte meine schlimmsten Befürchtungen nicht wahr werden lassen. Ich kam mir vor, wie ein Soldat, der im Krieg nahe einer Bomben-Detonation kontrollierte, ob alle seine Gliedmassen noch an ihm haften, als ich das iPhone hob und von allen Seiten hastig begutachtete. Stunden später drehte ich das iPhone immer mal wieder in den Händen um, weil ich einfach nicht glauben kann, dass kein einziger Kratzer zu finden ist. Sowas nennt man dann wohl Glück im Unglück, erkären kann ich mir das aber nach wie vor nicht.

Und wer jetzt denkt, mit dieser Situation sei meine Pechsträhne vorüber gewesen, der irrt gewaltig, eigentlich hatte sie nämlich gerade erst begonnen. Es war noch am selben Tag, spätabend im Büro, als ich endlich Feierabend machen wollte, mein leicht lädiertes MacBook zusammen packte, in meine Tasche gleiten liess und das iPhone aufhob um es in der Hosentasche verschwinden zu lassen. So, Feierabend, Zeit zu gehen. “Markus, bevor du gehst….”, hörte ich noch eben aus dem Korridor vor meinem Büro. Ich drehte mich zur Tür, während sich meine Tasche im Hintergrund selbständig machte, und einen todesmutigen Sprung von der Tischkante auf den Boden vollführte. Während des Falls hatte ich es bemerkt, mich wieder umgedreht und versucht, irgend einen Teil der Tasche zu greifen – leider vergebens. War mir so etwas ähnliches nicht vor kurzem schonmal passiert!? Aus diesem Grund assoziierte ich diesen Vorfall wohl auch direkt mit einem Schaden am MacBook – diesmal ahnte ich es bereits. Und siehe da. Dieses Mal war die Ecke hinten rechts dran. Statt leicht eingebogen wie beim letzten Mal, war der Schaden in diesem Fall deutlich höher, deutlich besser zu sehen und deutlich behindernder beim Öffnen des Bildschirms. Ich liess das MacBook erstmal geschlossen, beschloss, mich auf die Heimreise zu machen und den Schaden dort zu beziffern – was ich dann auch mithilfe eines Anrufes beim Apple-Händler gemacht hatte. Die einzige Möglichkeit besteht darin, das komplette Display auszutauschen. Kostenpunkt: CHF 800.00. Schöne Nachricht. Ich beschloss, das Thema erstmal etwas ruhen zu lassen, stellte aber immerhin noch fest, dass sich das MacBook noch immer öffnen liess, und bei diesem Vorgang erstaunlich gering am Unterteil streift. Das sollte mir ein leichter Trost sein.

Beträchtlicher Schaden am MacBook Pro

Und ungefähr hier fragte ich mich das erste mal, wieso ich gerade so viel Pech habe, in den letzten beiden Tagen. Vielleicht war es einfach nur Zufall? Vielleicht liegt ein Fluch auf mir? Oder vielleicht ist es eine klassische Pechsträhne, die einfach wieder vorbei geht und ohne weitere Gedanken zu verschwenden abgeschlossen werden muss!? Ich ging von Letzterem aus und sagte mir, dass ich nichts dafür könne und das jetzt sicher alles wieder vorbei wäre. Ich hatte einfach das Pech für das Jahr 2010 in zwei Tagen aufgebraucht und somit war es erledigt.. Anscheinend eine Täuschung, wie der nächste Abschnitt zeigt..

In Gedanken verloren machte ich mich heute Mittag auf den Weg zurück ins Büro. Vor mir schlich ein LKW der Strasse entlang. Glücklicherweise war ich nicht gestresst, was mich die Situation einfach akzeptieren liess. Aus dem Augenwinkel registrierte ich plötzlich einen auf mich zu fliegenden Gegenstand. In hohem Bogen schien dieser genau auf mein Fahrzeug zu steuern. Kurz vor dem gewaltigen Aufprall und dem damit verbundenen Geräusch, schossen meine Hände reflexartig schützend vor mein Gesicht. Kurz danach war mir klar, dass es sich um einen Stein handelte, der sich wohl gerade von einem Reifen des vorfahrenden LKW gelöst hatte. Erleichtert, dass es sich nur um einen Stein handelte, aber dennoch mit spürbarem Adrenalin im Blut, versuchte ich auszumachen, wie gross der Schaden ist, wenn es denn überhaupt einen gab. Ich hatte schon andere Steinschläge, kleine Steine, einigermassen erträgliches Geräusch beim Aufschlag. Diesmal handelte es sich aber um einen Ping-Pong grossen Stein und das Geräusch des Aufschlags liess mich zusammenzucken. Wer meine Pechsträhne kennt – und das müsste jeder sein, der bis hierhin gelesen hat – der vermutet bereits, dass ganz bestimmt ein Schaden entstanden ist. Und ich gratuliere, das ist richtig. Der Schaden hält sich zwar in starken Grenzen. Lediglich 5 “Hicke”, verteilt auf eine Fläche von ungefähr 3 Quadrat-Zentimetern waren die Folge. Kein Riss und der Schaden war nur Oberflächlich. (Aber sagt nicht Carglass in seiner Werbung, das bereits das gefährlich werden kann?)

Für den Moment ist meine Pechsträhne damit abgeschlossen – ich gehe zumindest stark davon aus – sollte das Gegenteil eintreffen, wird es hier ganz bestimmt eine Fortsetzung geben.